«Seid mutig und probiert neue Bewerbungsmethoden aus»

Die gebürtige Russin Inga Sobol kam 2013 für ihren damaligen Arbeitgeber in die Schweiz. Weil sie nach der Geburt ihrer Tochter mehr Zeit für diese haben wollte, kündigte sie. Von Oktober 2019 bis Februar 2020 war sie Teilnehmerin bei FAU. Seit Dezember 2020 ist Inga Sobol bei der Mibelle Group als Demand Planner in Buchs AG tätig. Dafür brauchte es drei mutige Anläufe.


Inga Sobol, FAU-Teilnehmende 2020

Inga Sobol war von Oktober 2019 bis Februar 2020 Teilnehmerin bei FAU. Seit Dezember 2020 arbeitet die Mutter einer dreieinhalbjährigen Tochter als Demand Planner für Grossbritannien, Bereich Central Supply Chain Service, bei der Mibelle Group in Buchs. Die Mibelle Group stellt Kosmetik- und Hygieneprodukte für die Migros her und beliefert Drittkunden. 

Warum hast du ab August 2018 einen neuen Job gesucht?

Ich bin verheiratet und habe eine dreieinhalbjährige Tochter. Bis zur Geburt meiner Tochter arbeitete ich noch Vollzeit. Mit meiner Familie und Tochter haben sich meine Prioritäten geändert. Um meiner Tochter mehr Zeit zu widmen, wollte ich maximal 60 Prozent arbeiten. Aus diesem Grund kündigte ich die Stelle beim Technologiekonzern 3M.

Wie hast du deine Zeit bei FAU erlebt?

Es war eine sehr interessante und wichtige Zeit. Unter anderem konnte ich meine Deutschkenntnisse deutlich verbessern. Bei meinem vorherigen Arbeitgeber, dem Technologiekonzern 3M, war die Firmensprache Englisch. Da FAU ein deutschsprachiges Programm ist, war es für mich anfangs sehr schwierig, alles zu verstehen, da alles auf Deutsch ist: Software, Weiterbildungen, Sitzungen. Erstmals war ich in einer rein deutschsprachigen Umgebung. Aber genau das half mir, mein Deutsch zu verbessern. Durch die Wissensvermittlung in den Weiterbildungskursen wurde ich selbstbewusster. Meine sehr erfahrene Coach hat mich stets unterstützt und motiviert. Sie hat mich auch zur Initiativbewerbung ermuntert, hat mich ermutigt, zum Telefon zu greifen, mich selbst zu präsentieren und Ideen aufzugreifen. Der Austausch und die konkreten, praktischen Empfehlungen meiner Coach waren sehr wertvoll.

Was hast du bei FAU besonders geschätzt?

Den Arbeitsplatz und die Tagesstruktur am Standort in Zürich habe ich sehr geschätzt, das hat mir wieder einen klaren Arbeitsrhythmus gegeben. Ich besuchte vor FAU ein englischsprachiges Coaching-Programm und war wegen meiner fehlenden Deutschkenntnisse nur auf internationale Firmen fokussiert. Es gibt aber zahlreiche KMU, die auch für mich in Frage kommen. Deshalb musste und wollte ich meine Deutschkenntnisse verbessern. Auch der regelmässige Austausch mit anderen FAU-Teilnehmenden war wertvoll. So lernte ich, meine eigenen Stärken besser einzuschätzen. Anfangs war ich wegen der Sprachkenntnisse etwas schüchtern. Später profitierte ich vom offenen Austausch mit den anderen.

Wie bist du zu deiner aktuellen Stelle gekommen?

Bereits im Februar 2019 hatte ich eine Initiativbewerbung an den Kosmetik- und Hygieneproduktehersteller Mibelle Group gesendet, mit der ich aber leider keinen Erfolg hatte. Nachträglich stellte ich fest, dass die Bewerbung an die falsche Person gerichtet war.

In Weiterbildungskursen bei FAU habe ich dann gelernt, wie wichtig das konkrete Vorgehen und die richtigen Ansprechpartner bei Initiativbewerbungen sind. Besonders, wenn man wie ich, nur ein Teilzeitpensum sucht. Dabei wurde ich von meiner Coach motiviert und unterstützt. Das hat mich bestärkt, via LinkedIn nochmals eine Spontanbewerbung im Februar 2020 an Mibelle Group zu senden. Dieses Mal weckte ich Interesse und konnte meine Bewerbungsunterlagen zusenden. Leider war zu dieser Zeit keine passende Stelle frei. Trotzdem war das schonmal ein positives Erlebnis.

Sechs Monate später stiess ich auf ein interessantes Stelleninserat von Mibelle Group für ein 100-Prozent-Pensum. Trotzdem bewarb ich mich und wurde auch zum Gespräch eingeladen. Nach weiteren Gesprächen und einige Wochen später wurde mir eine Teilzeitstelle im gewünschten 60-Prozent-Pensum angeboten. Ich war sehr glücklich über diese Lösung, besonders auch, weil ich nur 15 Minuten zu Fuss benötige, um zur Arbeit zu kommen.

Welchen Tipp würdest du anderen Stellensuchenden geben?

Ich möchte Stellensuchende bestärken, offen und neugierig für neue Bewerbungsmethoden zu sein und sie mutig auszuprobieren. Auch Stellensuchende mit langjähriger beruflicher Erfahrung können Neues lernen. Auch möchte ich Jobsuchende zu Initiativbewerbungen ermutigen, telefonisch nachzufassen und ins Gespräch zu kommen.

Interview: Sandra Schibli und Iwon Blum

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